„Wir haben alle voneinander gelernt“ – Rückblick auf Jugendbegegnung in Schtschyrez

Dolmetscherin Iryna Mykytka und Bürgermeister Oleh Vasylyshyn (am Rednerpult) eröffnen die Abschlußpräsentation im Kultursaal von Schtschyrez.

Der Alltag hat sie längst wieder eingeholt – dennoch sind die 12 jungen Gudensberger/innen und ihre Betreuer Lukas Giesler und Veronika Beier mit ihren Gedanken noch manchmal im ukrainischen Schtschyrez. Dort, wo sie Ende Juli neun aufregende Tage verbrachten. Die Eindrücke aus diesem besonderen Reiseerlebnis hat viele der Teilnehmer/innen bewegt und nachdenklich gemacht. Ein Nachtreffen mit Fotos, Videos und Texten findet am 31. August statt und ist auch für Interessierte offen.

„Der Kontrast zwischen der Realität in der Ukraine und dem Zuhause in Gudensberg ist eine Erfahrung, die man nicht missen möchte und die eigentlich viel mehr Menschen in Deutschland machen sollten“, so Lucia Dietz, eine der Teilnehmerinnen, nach ihrer Ankunft in Deutschland. Die Gewissheit, in einem friedlichen, wirtschaftlich und sozial abgesicherten Umfeld zu leben, hat für uns eine neue Qualität bekommen.“ Einen ähnlichen Eindruck hat auch Lena Nix: „Probleme, die für uns in Deutschland eigentlich undenkbar sind, hinterlassen in der Bevölkerung und auch insbesondere bei den gleichaltrigen Jugendlichen tiefe Spuren. Dieses von uns als selbstverständlich angenommene Gefühl der Sicherheit und des Friedens in Deutschland ist den ukrainischen Jugendlichen in dieser Form leider noch nicht vergönnt.“

Ziel: Frieden für Alle

Neue Erfahrungen gesammelt: Die Gudensberger Jugendlichen in Schtschyrez. Im Hintergrund das ehemalige Gudensberger Feuerwehrfahrzeug.Diese Erfahrungen machen nachdenklich und bewirken, dass die jungen Gudensberger sich dieser Werte stärker bewusst werden. Von dem Thema „Werte und friedliche Gesellschaft“ handelte auch die gemeinsame Projektarbeit, in der sich die Jugendlichen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede austauschen und voneinander profitieren konnten. „Das Motto unserer Jugendbegegnung war ‚Unser Leben in Ost und West‘. Da gibt es Gleiches und das, was uns unterscheidet. Ich muss sagen, dass es sehr viel Gemeinsames gibt. Wir müssen die Vergangenheit respektieren, die Gegenwart schaffen und an die Zukunft denken. Das ist das Gemeinsame für alle Menschen in Europa und auch für die deutschen und ukrainischen Jugendlichen“, formulierte es die ukrainische Betreuerin und Dolmetscherin Iryna Mykytka bei der Abschlusspräsentation, an der neben den Teilnehmern viele Interessierte aus Schtschyrez teilnahmen.

Besonders beeindruckend empfanden die Jugendlichen die Offenheit der Bevölkerung von Schtschyrez, die sich für den deutschen Besuch sehr interessierte und die an Aktivitäten wie Fußball, dem gemeinsames Kochen und dem Besuch in einer Glasbläserei Anteil nahmen. Insbesondere Veronika Beier und Oliver Sohl als Mitglieder der Gudensberger Jugendfeuerwehr hat es gefreut zu sehen, dass das von Gudensberg übergebene Feuerwehrfahrzeug in guten Händen ist und schon mehrfach eingesetzt werden konnte.

Viele Möglichkeiten zur Zusammenarbeit

Die Jugendlichen stehen auch nach der Jugendbegegnung weiterhin über soziale Medien wie Facebook in Kontakt. „Die ukrainischen Jugendlichen sind sehr interessiert an dem Lebensstil und den Umständen in Westeuropa, genau wie die Ereignisse in der Ukraine uns jetzt viel stärker bewegen. Wir haben alle voneinander gelernt“, bestätigt Lucia Dietz. Als aktiver Vermittler zwischen den Kulturen und beständiger Begleiter bei allen Aktivitäten erwies sich Bürgermeister Oleg Vasylyshyin und demonstrierte damit, wie wichtig ihm die Beziehungen zwischen Schtschyrez und Gudensberg sind.

Pferdewagen werden in der Ukraine noch häufig in der Landwirtschaft eingesetzt. Fotos: Elisa Mand„Es war fühlbar, dass es sich um eine junge Stadt im Umbruch handelt, die viele Möglichkeiten der Kooperation bietet“, erzählt Betreuer Lukas Giesler. Alle, die dabei waren, hoffen, dass der Austausch fortgesetzt werden kann, damit weitere junge Menschen die Chance erhalten, neue Erfahrungen zu sammeln und den Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen.

Ein Rückblick in Bildern und Texten

Am 31. August 2017 um 17.30 Uhr treffen sich die Gudensberger Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Jugendzentrum „F26“, Fritzlarer Str. 26, um Fotos, Videos und Texte von der Jugendbegegnung in der Ukraine vorzustellen und gemeinsam zurückzublicken. Interessierte sind herzlich eingeladen.