„Feuerwehr als Ganzes verbessern“ – Neue Gudensberger Spitze im Gespräch

Markus Iffert (l.) und Katrin Möbus stehen seit April 2017 an der Spitze der Gudensberger Wehren.Markus Iffert und Katrin Möbus sind als Stadtbrandinspektor und Stellvertreterin seit April diesen Jahres das neue Führungsduo. Im Intererview beziehen sie zu aktuellen Themen rund um die Gudensberger Feuerwehren Stellung.

Neue Führung, Tagesalarmstärke, Neubau Gerätehaus Gudensberg und Nachwuchsgewinnung sind nur einige der Themen, die es zu besprechen gilt. Doch vorher möchten wir einen kurzen Einblick in Eure persönliche Feuerwehr-Laufbahn werfen und Euch die Frage stellen: Wie seid ihr eigentlich zur Feuerwehr gekommen und warum seid ihr heute noch dabei?

Katrin Möbus (KM): Ich bin eigentlich über Freunde, die bei der Jugendfeuerwehr waren, dazu gekommen. Die Ausbildung in der Jugendgruppe hat super viel Spaß gemacht, dort haben sich enge Freundschaften gebildet und ich bin nun seit 2001 in der Einsatzabteilung. Bei der Feuerwehr bin ich, weil ich der Meinung bin, dass unsere Gesellschaft ohne ein Miteinander und das Übernehmen von Verantwortung nicht funktionieren kann. Deshalb helfe ich gern!

Markus Iffert (MI): Feuerwehr war in meiner Familie früher kein Thema. Ich habe auch über Freunde und Klassenkameraden den Weg zur Jugendfeuerwehr gefunden und bin dann in 1994 zur Einsatzabteilung gewechselt. Leider sind aus meinem Jahrgang nicht mehr viele Freunde aus der Jugendfeuerwehr in der Feuerwehr geblieben. Ich bin in der Feuerwehr geblieben, weil mir Werte wie Kameradschaft, Engagement sowie Teamgeist wichtig sind und ich anderen gern helfe. Verantwortungsbewusstsein und Feuerwehrdienst eignen sich hervorragend, um eine freiwillige Aufgabe in der Gesellschaft zu übernehmen.

Katrin, du bist Lehrerin und Markus, du bei der Werkfeuerwehr. Jetzt seid ihr die Verantwortlichen für alle Gudensberger  Wehren. Hilft Euch dabei eure berufliche Erfahrung?

KM: Der Wunsch Lehrerin zu werden, ist während meiner Tätigkeit als Jugendfeuerwehrwartin entstanden. Ich habe gemerkt, dass mir der Umgang mit den Jugendlichen Spaß macht und mir gefällt. Letztendlich hat dies dazu geführt, Lehrerin zu werden. Durch die Ausbildung habe ich viel im Umgang mit Menschen gelernt. Dies kommt mir in meiner jetzigen Aufgabe bei der Feuerwehr zu gute.

MI: Die Arbeit bei der Freiw. Feuerwehr und die dort erworbenen Kenntnisse waren wichtige Grundlagen, dass ich bei der Werkfeuerwehr eingestellt worden bin. Von den Erfahrungen, die ich bei der täglichen Arbeit in der Werkfeuerwehr mache, profitiere ich natürlich und bringe sie bei der Freiw. Feuerwehr ein. Besonders bei der Ausbildung unserer Frauen und Männer und natürlich der Ausbildung unserer Zug- und Gruppenführer.

Markus, Du bist nach wie vor Wehrführer der Feuerwehr Obervorschütz. Eine enorme Belastung, behältst du beide Hüte auf?

MI: Ehrlich gesagt, ich hatte mir die Arbeit leichter vorgestellt. Derzeit verteile ich die Arbeit bei der Feuerwehr OV auf den stellv. Wehrführer sowie die Zug- und Gruppenführer. An dieser Stelle ein herzliches Dankschön für das Verständnis und die Unterstützung. Geplant ist, dass ich in 2019 das Amt des Wehrführers in Obervorschütz abgeben.

Jetzt seid ihr schon seit ein paar Monaten offiziell verantwortlich für die Gudensberger Feuerwehren. Wie sehen Eure Planungen aus, was wird sich gegenüber Euren Vorgängern ändern?

KM: Wir möchten die erfolgreiche Arbeit unserer Vorgänger fortsetzen. Die Feuerwehren der Stadt Gudensberg sind gut aufgestellt. Grundlegende Änderungen im bereits gut laufenden System sind derzeit von uns nicht geplant. Natürlich wollen wir die Punkte, die im April 2016 im Führungskräfteworkshop erarbeitet worden sind, nachhalten und umsetzen. Es werden sich immer neue Herausforderungen ergeben und die wollen wir angehen. Wir wollen weiterhin für die Zukunft planen und dies bedeutet: Wir wollen agieren und nicht nur reagieren.

Welche Themen und Projekte stehen auf Eurer Prioritätenliste?

MI: Einige Projekte haben wir übernommen. Größtes Projekt ist das Feuerwehrhaus Gudensberg. Hier sind wir dankbar, dass Verdy Ryffel die Bauleitung aus Sicht der Feuerwehr weiterführt. Das unmittelbar anstehende größere Projekt ist die Umstellung auf die digitale Alarmierung. Weiterhin gilt es, die Ersatzbeschaffung des Löschgruppenfahrzeugs 16 mit Tragkraftspritze durch ein LF 10 Kats für die Wehr Obervorschütz zu planen. Für die Wehren Gleichen und Maden ist vorgesehen, die bisherigen Tragkraftspritzenfahrzeuge durch solche mit Wassertank zu ersetzen. Wichtig und bereits in Bearbeitung ist die Fortschreibung des Bedarfs- und Entwicklungsplanes. Weiterhin wollen wir die Struktur der Technischen Einsatzleitung auf Stadtebene weiterentwickeln. Natürlich wollen wir die Feuerwehr als Gesamtes weiter verbessern. Dazu gehört es, den Ausbildungsstand weiter zu optimieren. Als Erstes werden wir hier regelmäßige Ausbildungen für die Zug- und Gruppenführer zentralisiert anbieten. Genauso wollen wir die tolle Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien, den Gudensberger Rettungsdiensten, dem DLRG und mit den umliegenden Feuerwehren fortführen.

Spürt ihr einen besonderen Erwartungsdruck?

KM: Wir spüren schon einen gewissen Erwartungsdruck, was aber sicher normal ist und auch motiviert. Man wird natürlich genau beobachtet, die Mannschaft stellt sich die Frage, was wird jetzt anders? Die Arbeit der Feuerwehren der Stadt Gudensberg wollen wir nicht neu erfinden. Viele grundlegende Sachen sind schon auf den Weg gebracht und haben sich in der täglichen Arbeit bewährt. Es gilt, nicht stehen zu bleiben, dies fortzuführen und weiterzuentwickeln. Derzeit heißt es für uns noch, in diesem Job anzukommen, Erfahrungen zu machen, offen für Ideen, Anregungen sowie Kritik zu sein und viel Neues zu lernen!

Wie fällt Eure erste Bilanz aus?

MI: Für eine Bilanz ist es nach unserer Ansicht noch zu früh. Es heißt Erfahrungen sammeln, Präsenz zeigen, viele Gespräche führen und dann daraus unsere Schlüsse ziehen. Die ersten Veranstaltungen unter unserer Führung sind aber gut gelaufen und von der Mannschaft auch so empfunden worden. Wir haben ein gutes Gefühl.

Zum Abschluss: Was wünscht ihr Euch als Führungsduo der Gudensberger Feuerwehren für die Zukunft. Was möchtet ihr den Kameradinnen und Kameraden sagen?

KM: Seit vielen Jahren treten wir in der Öffentlichkeit als die Freiw. Feuerwehren der Stadt Gudensberg auf. Ein Modell, das kreis- und hessenweit, wenn nicht sogar bundesweit, nicht unbedingt üblich war und in den letzten Jahren Nachahmer gefunden hat. Als Beispiele sind hier die Tagesalarmierung und das gemeinsame Ausbildungskonzept zu nennen. Wir wünschen uns, dass dieses Modell weiterhin von allen Aktiven gelebt wird. Es muss jedem in den Einsatzabteilungen bewusst sein, dass wir unsere jetzige Ausrüstung und Schlagkraft, aber auch die damit verbundene Anerkennung bei den städtischen Gremien und der Bevölkerung nur erreicht haben, weil wir gemeinsam aufgetreten sind!